Wir wollen Agrarwende und Gesellschaft zusammenbringen
Die Agrarpolitik der Europäischen Gemeinschaft ist krank. Ursprünglich sollte sie die Bürgerinnen und Bürger zu erschwinglichen Preisen mit Lebensmitteln versorgen und den Höfen auskömmliche Preise garantieren. Heute verursacht sie auf Kosten der Allgemeinheit Überschüsse, Verschwendung sowie ökologische und soziale Zerstörung – und bevorzugt im Namen globaler Wettbewerbsfähigkeit wenige Agrar- und Handelskonzerne, während das Bauernsterben rasant voranschreitet.
Der Druck der Maxime „Wachse oder weiche“ treibt Landwirtinnen und Landwirte in Intensivierung und Expansion, bei denen es nur Verlierer*innen gibt. Auf der Strecke bleiben Natur- und Umweltschutz, der Respekt vor der Kreatur, Familien, Traditionen und Kulturlandschaften. Statt die Ursachen anzugehen, mildert die EU nur die Folgen mit Ausgleichszahlungen und spielt Bäuerinnen und Bauern gegen Verbraucher*innen aus.
Dabei stehen Wissen, Bereitschaft sowie die technischen und finanziellen Möglichkeiten für eine nachhaltige, menschen-, tier- und umweltgerechte Landwirtschaft längst zur Verfügung. Es fehlt einzig der Wille und Mut zu einer entsprechenden Markt- und Politikgestaltung: Die europäische Agrarpolitik braucht neue Ziele und demokratische Grundlagen.
Eine Milliarde Menschen hungern, ebenso viele sind fehlernährt und übergewichtig. Oberstes Ziel der EU-Agrarpolitik muß es sein, alle Bürgerinnen und Bürger gut und gesund mit den Ressourcen zu ernähren, die jeder und jedem der sieben (bald neun) Milliarden Erdenbürger*innen nachhaltig zur Verfügung stehen. Wir müssen unseren Bedarf auf der eigenen Fläche decken. Heute hat die EU ein Netto-Defizit von 35 Millionen Hektar. Zugleich bedrohen subventionierte Exporte in arme Länder dort die Selbstversorgung und Existenz von Kleinbauern.
Nachhaltige bäuerliche Landwirtschaft und gute Qualität brauchen kostendeckende Preise. Dazu muß die Marktmacht der Landwirt*innen und Verbraucher*innen gestärkt werden. Wir wollen eine bedarfsorientierte, möglichst regionale Produktion und Verarbeitung von Lebensmitteln. Wir brauchen qualifizierte, traditionsbewußte und innovative Bäuerinnen und Bauern und Verarbeiter*innen, denen wir vertrauen können. Wir wollen keinen Hof mehr verlieren!
Tierschutz, gesunde Ernährung, Klimawandel und Ressourcenknappheit zwingen zur Umkehr in der Tierhaltung und beim Fleischkonsum. Wir müssen uns an der verfügbaren Fläche und der Würde der Kreatur orientieren.
Die Vielfalt der Kulturlandschaften Europas, unserer Kulturpflanzen und Nutztierrassen zu erhalten und das Artensterben zu stoppen ist eine Überlebensfrage in Zeiten des Klimawandels.
Wir müssen unsere Klimagas-Emissionen um 80% reduzieren, auch in der Landwirtschaft. Dazu müssen wir v.a. die Abhängigkeit unserer Ernährung von Öl und Mineraldünger überwinden, die Fleischproduktion umstellen und die Speicherung von Kohlenstoff durch Humusbildung im Acker- und Grünland steigern. Großflächiger Ersatz fossiler Energie durch Sprit- und Energiepflanzen vom Acker ist keine Alternative.
Risikotechnologien wie die Agro-Gentechnik lehnen wir ab. Bäuerliche Kompetenz und ganzheitliche Forschung ist die Grundlage der Innovation. Die Natur als „Bio“-Fabrik ist keine Zukunftsstrategie.